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Trutz, Blanke Hans


Heut bin ich über Rungholt gefahren,
die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren.
Noch schlagen die Wellen da wild und empört,
wie damals, als sie die Marschen zerstört.
Die Maschine des Dampfers schütterte, stöhnte,
aus den Wassern rief es unheimlich und höhnte:
TRUTZ, BLANKE HANS.


Die stürmische Nordsee wird bildhaft auch "Blanker Hans" genannt. Der Begriff steht dem Wortsinn nach für einen "nackten, ärmlichen Menschen". Der Geistliche und Chronist Anton Heimreich legte den Ausruf "Trutz nun, blanke Hans" dem Risumer Deichgrafen in den Mund. Als Herausforderung gedacht, etwa im Sinne "greife unser Werk nur an, du ärmlicher Geselle" soll der Satz auf einem gerade fertiggestellten, vermeintlich sicheren Deich gefallen sein kurz vor der verheerenden Sturmflut, der zweiten großen Mandränke vom 11. Oktober 1634. Die Botschaft von Heimreich: Hochmut kommt vor dem Fall. Der Poet Detlev von Liliencron verknüpfte "Trutz Blanke Hans" mit seinem Gedicht über den Untergang Rungholts während der ersten großen Mandränke vom 16. Januar 1362. Die Ballade trug viel dazu bei, das Wort bekannt zu machen.

Quelle: Nordfriesland von A bis Z, 1998, Nordfriisk Instituut


Wehklagen und Leid, Verlust von Menschenleben und Sachwerten, dies hat die Nordsee nicht nur in historischer Zeit über die Küstenregion gebracht. Auch heute ist die Bedrohung durch die See allgegenwärtig und gleichzeitig zeigt sich allerorten, was gegen den blanken Hans unternommen wird.

Insel- und Küstenschutz

Der Küstenschutz ist unabdingbare Voraussetzung für die Besiedlung des Küstengebietes. Nach der Sturmflutkatastrophe von 1953 in den Niederlanden wurde in Deutschland das Vorgehen im Insel- und Küstenschutz vom Reagieren auf Vorsorge umorientiert. Die niedersächsische Küste wird durch 610 km Hauptdeiche und 15 Sperrwerke vor Sturmfluten geschützt. Hinzu kommen ca. 35 km Hauptdeiche und 85 km Schutzdünen auf den Inseln sowie weitere 620 km Strom- und Flussdeiche oberhalb der Sperrwerke.

Doch woher weiß man, wie hoch Deiche zu bauen sind? Dafür begnügen sich die Ingenieure nicht mit Erfahrungswerten. Die Bemessung der Deiche, die den Schutz des Festlandes sicherstellen, erfolgt auf der Basis des zu erwartenden höchsten Sturmflutwasserstandes und des Auflaufens der Wellen auf dem Deich.

Der Bemessungswasserstand wird bei Seedeichen nach dem Einzelwertverfahren bestimmt. Dabei wird das mittlere Tidehochwasser mit dem größten bisher gemessenen Stau addiert. Hinzu kommen weitere Faktoren und der Wellenauflauf wird durch Modellrechnungen ermittelt. Der erkennbare Anstieg des Meeresspiegels wird bei der Bemessung der Deiche ebenfalls berücksichtigt. Sollte sich der Anstieg beschleunigen, ist man darauf vorbereitet: Sperrwerke und andere massive Bauten werden so geplant und gebaut, dass sie um etwa einen weiteren Meter erhöht werden können, wenn dies erforderlich wird.

Wer nicht will deichen...

Die jüngsten Sturmfluten der Jahre 2006 und 2007 haben es wieder einmal deutlich gemacht: Auch 46 Jahre nach den verheerenden Deichbrüchen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg im Jahr 1962 bleibt der Küstenschutz und Deichbau für die Niedersächsische Landesregierung gemeinsam mit dem Bund eine dauerhafte und wichtige Aufgabe. Jährlich stehen rd. 45 Millionen Euro für den Küstenschutz in Niedersachsen bereit; seit 1955 wurden umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro dafür investiert.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist niedersachsenweit verantwortlich für Planung und Bau der landeseigenen Anlagen im Insel- und Küstenschutz. Zudem betreibt der NLWKN einen zuverlässigen Sturmflut- und Hochwasserwarndienst: Die Wasserstände an Binnen- und Küstengewässern werden ständig überwacht, um die betroffenen Kommunen und Institutionen im Ernstfall schnell und umfassend informieren zu können.

Systematisch werden Deiche und andere Schutzbauwerke auf die erforderliche Höhe gebracht. An besonders gefährdeten Stellen sind sie derzeit bis zu neun Meter hoch (an der Elbe oberhalb von Hamburg und in Ostfriesland); mindestens haben sie eine Höhe von fünfeinhalb Meter (in Cuxhaven). Der NLWKN behält die Entwicklung im Auge, um rechtzeitig auf den weiteren Anstieg des Meeresspiegels reagieren zu können.

Der Schwerpunkt der Deichbauten liegt in den kommenden Jahren an der Jade und der Unterweser. Die Sturmflut vom 1. November 2006, die der Küste und den Inseln teilweise höhere Wasserstände bescherte als die Sturmfluten von 1962 und 1976, hat gezeigt: Die niedersächsischen Deiche sind gegen die Fluten gut gerüstet. Die Bedeutung des Küstenschutzes macht deutlich: Ohne Seedeich wäre Niedersachsen um rund ein Siebtel kleiner als heute. Eindrucksvoll beweist dies den wahren Kern der alten Redensart: "Wer nicht will deichen, der muss weichen!"